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Darf ich so weiter singen?

German melancholic art pop, ambient electropop ballad, intimate female vocal, slow tempo, soft piano, warm analog synth pads, subtle glitch textures, restrained trip-hop rhythm, clear melodic chorus, quiet philosophical mood, late-night office atmosphere, cinematic depth, melancholic but sincere, no rap, no trap, no aggressive EDM

imaesan K·6:09

Lyrics

Ich schreibe dieses Lied
für euch, die ihr mich hört
in einer Sprache,
die mir noch nicht ganz gehört

Bald ist es fast ein Jahr,
seit ich auf Deutsch zu schreiben begann
nicht aus Sicherheit,
nur weil ein Zufall mich hierher nahm

Ein kleines Projekt,
ein fremdes Lied, ein neuer Klang
die andern wählten Spanisch,
Italienisch, leicht und warm

Ich nahm Deutsch,
weil irgendwo in mir
ein Anime-Opening
wie eine Klinge durch die Luft ging

Ich verstand die Worte nicht,
doch sie klangen groß und klar
also nahm ich meine Zeilen
und ließ sie übersetzen, Jahr für Jahr

Ich dachte: Deutschland klingt nach EDM,
nach Nacht, Beton und Licht
also lud ich meinen ersten Song hoch
und rechnete eigentlich mit nichts

Doch ihr habt zugehört
mehr, als ich je gedacht
„Seelen-Neustart“ stand plötzlich dort,
wo vorher kaum jemand auf mich acht’

Zwei Stellen waren sonst normal,
dann waren es tausend Ohren mehr
über hundert kleine Herzen
und ich wusste nicht, wohin damit

Darf ich so weiter singen?
Mit Worten, die ich mir geliehen hab
durch Maschinen übersetzt
und doch mit meinem Sinn beladen

Darf ich so weiter singen?
Oder klingt es für euch schief?
Wenn ich in eurer Sprache frage,
ob meine Stimme dort noch liegt

Am Anfang schrieb ich Deutschland
wie die Welt es draußen sieht
mit Klischees aus kaltem Eisen,
Neon, Ordnung, Industrie

Doch niemand blieb dort stehen,
niemand fand sich darin wieder
und ich merkte: Eine Maske
macht kein Land und auch kein Lied

Wenn ich zu groß tat,
klang es falsch in meiner Hand
also nahm ich meine Herkunft
und setzte sie in ein anderes Land

Nicht als Kostüm,
nicht als billiger Effekt
sondern mit Vorsicht,
damit nichts Fremdes daran klebt

Ich änderte die Räume,
die Gesten, den Kontext
ließ Japan nicht ganz verschwinden,
doch stellte es leiser ins Licht

Mit Bürofluren, Formularen,
mit Philosophie im Staub
und plötzlich kamen Stimmen,
die sagten: Ja, ich kenn das auch

Doch darf ich so weiter singen?
Mit Worten, die ich nicht ganz seh
wenn jede Zeile durch ein Fenster
aus Glas und Algorithmus geht

Ist es noch meine Stimme,
wenn Deutsch sie für mich trägt?
Oder hört ihr nur den Fehler,
der zwischen zwei Kulturen steht?

Darf ich so weiter schreiben?
Oder denke ich zu viel?
Ist diese Angst nur Höflichkeit
vor einem Land, das ich nicht bin?

Ich will euch nichts vorspielen,
kein falsches Deutschlandbild
kein Souvenir aus fremden Straßen,
kein romantisch kaltes Schild

Ich will nicht klingen wie ein Gast,
der euren Regen nur zitiert
und dann behauptet, dass er weiß,
wie sich euer Morgen anfühlt

Darum wähle ich jetzt seltener,
was ich auf Deutsch veröffentlich’
nur Zeilen, denen ich vertraue,
oder Lieder, nur für euch geschrieben

Manchmal wird es dadurch leiser,
weniger, vorsichtiger vielleicht
doch jedes Lied fragt vor der Tür:
Darf ich rein, oder geh ich zu weit?

Darf ich so weiter singen?
Sagt mir, wenn es seltsam klingt
wenn meine sauberen Übersetzungen
nicht dort landen, wo ich bin

Darf ich so weiter fragen?
Darf ich bleiben mit Respekt?
Nicht als jemand, der euch kennt,
sondern als jemand, der euch liest

Vielleicht ist jedes Lied von mir
ein Formular ohne Stempel drauf
doch wenn ihr trotzdem unterschreibt,
sing ich noch eins für euch hinaus

Darf ich so weiter singen?
Oder denke ich zu viel?
Sagt es mir ehrlich —
ich halte auch die Stille aus

Ich schreibe dieses Lied
für euch, die ihr mich hört
nicht weil ich Deutsch besitze,
sondern weil es mich berührt

Darf ich so weiter singen?
Oder denke ich zu viel?
Sagt es mir ehrlich —
ich halte auch die Stille aus

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