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Das glauben die Religionen

Pop Swing -Duett

aaa171·3:59

Lyrics

Hook (beide – fromm und giftig zugleich, wie Weihrauch, der erstickt):

Wir glauben an das Jenseits, nicht an heute

An die Erlösung in der fernen Weite

Wir glauben: Wer hier leidet, wird dort steigen

Und wer nicht glaubt, den wird der Schmerz erreichen.

Wir züchten Schafe für das Schlachten später –

Das Paradies ist unser größter Köder.

Man missioniert, um Macht zu mehren –

Die Liebe ist nur Mittel zu bekehren.

Strophe 1 (Stimme 1 – der Missionar, ehrlich in seiner Blindheit):

Ich glaube an das Wort, das ich dir bringe

An die Gnade, die an Bedingungen hängt.

Ich glaube, dass mein Glaube dich bezwinge –

Denn wer nicht hört, hat selbst sich nicht bedrängt.

Ich rette dich – ob du willst oder nicht.

Das ist die Höflichkeit des Paradieseslichts.

Ich glaube, dass die Zukunft dir gehört –

Doch nur, wenn du dich heute mir betörst.

Ich liebe dich? Ich liebe meine Herde.

Denn Schafe geben Wolle – und die Erde

gehört dem Hirten, der die Schritte lenkt.

Das Jenseits ist der Scheck, der nie verfällt –

und ich bin der Kassierer. Glaub nur weiter.

Dann bist du fromm – und ich bin der Verteiler.

Strophe 2 (Stimme 2 – der Suchende, der ausgestiegen ist):

Du glaubst an Himmel, Hölle, Sündenfall?

Ich glaubte auch – bis mir der Magen knurrt.

Du schiebst die Ernte auf den letzten Schall –

Ich aber frage: Wer heute friert, wird nicht verwirrt

von deinen Versprechen, die so fern sind wie der Mond.

Du züchtest Gehorsam – ich nenn es Gift, das lohnt

sich nur für dich. Du sagst: „Erdulde, leide –

dann wirst du einst belohnt.“ Das ist das Kleid

der alten Macht, die nicht mehr nackt erscheint.

Du missionierst, um mich zu brauchen, mein

Vertrauen, meine Angst, mein letztes Hemd.

Doch ich hab's satt: Das Jenseits ist das Hemd,

das du mir anziehst, weil du hier nichts teilst.

Ich glaube nicht. Ich suche. Und ich schweige.

Denn wer dich fragt, bekommt nur Antwort: „Beuge

dich heute – morgen wirst du herrschen.“ Herrschen? Wer?

Du, Missionar. Ich merke: Ohne dich wär ich nicht mehr

verführbar. Also leb ich ohne dein Versprechen.

Die Erde reicht. Ich muss nicht ewig stechen.

Bridge (beide – ein schneidender Dialog):

Missionar: Ohne mich kein Trost, kein Ritual!

Suchender: Ohne mich kein wahrer Mensch im Tal.

Missionar: Ich gebe Sinn, Gemeinschaft, Brot!

Suchender: Du gibst mir Schuld – und nach dem Tod das Nichts.

Missionar: Die Schafe brauchen einen Hirten doch!

Suchender: Die Schafe brauchen Weide – und Gesicht.

Missionar: Und wenn ich nun wirklich glaube, dass ich rette?

Suchender: Dann bist du frommer Betrogener – in Kette

der eigenen Sehnsucht. Aber hör: Dein Glaube

macht mich nicht frei – er macht mich zum Geraube

deiner Angst. Ich aber steh jetzt hier –

ohne Jenseits. Und atme. Sage mir:

Ist das nicht Erlösung? Heute? Ohne dich?

Missionar: ...Das darf nicht sein.

Suchender: Es ist. Und das verstört dich.

Beide: Vielleicht ist Gott nicht fern, nicht später, nicht im Licht –

sondern genau das Schweigen, das jetzt zwischen uns spricht.

Hook (beide – langsamer, fragiler, wie ein Glaubenssatz der abbröckelt):

Wir glaubten an das Jenseits, nicht an heute

An die Erlösung in der fernen Weite

Wir glaubten: Wer hier leidet, wird dort steigen

Und wer nicht glaubt, den wird der Schmerz erreichen.

Wir züchteten Schafe für das Schlachten später –

Doch das Paradies? Es war der größte Köder.

Jetzt steh ich da, Missionar – allein.

Die Herde geht. Und ich? Ich darf nicht sein.

Womit ich bleibe, ist der leere Raum.

Und der Suchende sagt: „Das ist dein Gott – dein Schaum.“

Outro (gesprochen, fast flüsternd, ohne Musik – nur zwei Stimmen im Dunkeln):

Missionar: Und wenn ich nichts mehr habe außer meiner Angst?

Suchender: Dann sitzt du neben mir – und wir sind gleich.

Missionar: Aber ich habe doch Menschen getauft, getröstet, beerdigt...

Suchender: Das war deine Arbeit. Nicht deine Bekehrung.

Missionar: Ich wollte nur Gutes.

Suchender: Das will fast jeder. Auch die, die Schafe züchten.

Missionar: Und jetzt?

Suchender: Jetzt redest du mit mir – ohne Mission. Das ist der Anfang.

Missionar: Wovon?

Suchender: Vom Glauben ohne Eigennutz. Vom Geben ohne Nehmen.

Missionar: Gibt es das?

Suchender: Wir üben es gerade. In diesem kleinen Raum.

(Lange Pause.)

Missionar: ...Danke.

Suchender: Nichts zu danken. Bleib einfach – ohne mich zu brauchen.

(Stille. Dann ein leises Ausatmen.)

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