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Kein Liebeslied

intimate female vocals, whispery German vocal, spoken-word pop, emotional dream pop, fragile piano-led arrangement, soft ambient pads, minimal electronic texture, close-mic vocal, melancholic but restrained, bittersweet, solitary, late-night atmosphere, delicate piano motifs, subtle cinematic build, airy reverb, quiet tension, unresolved ending, headphone-optimized mix, recorded with Neumann U87 microphone, transparent de-essing

imaesan K·4:22

Lyrics

Ich versuch ein ganz normales Liebeslied zu schreiben,

doch schon bei der ersten Zeile stockt meine Hand.

„Schön, dass es dich gibt“ —

es ist nicht gelogen

und sieht trotzdem aus wie eine Lüge.

Also lösch ich’s.

Delete.

Und der Bildschirm

wird wieder weiß.

Kein einziges Wort,

das man einfach

so vor sich hin summen könnte —

und kaum kommt mir eins,

will ich’s schon wieder

mit Fußnoten versehen.

Schlechte Angewohnheit.

Ich tippe die drei Worte,

streich mit dem Cursor drüber,

lösch sie gleich.

Nur drei kleine Worte —

und doch viel zu schwer

zum Abschicken.

Mehr als diese drei Worte

ist dir das Weiß ähnlich,

das nach dem Löschen bleibt.

All das Ungesagte

blinkt durch diese Nacht —

ich schreibe noch immer

kein Liebeslied.

Und doch:

genau dieses Weiß,

das leer geblieben ist,

kommt dir

am nächsten.

Ohne zu speichern

öffne ich den Entwurf aufs Neue.

Ich verwerf, was ich tippe,

Entwurf um Entwurf.

Süße Bilder

warten ewig auf Freigabe.

Dich führ ich noch immer

als Akte, als Vorgang.

Mit so einem Kopf

kommt nur die Nacht voran.

Das große Wort

steht in jedem Lied im Radio,

abgegriffen, lauwarm —

sag ich’s laut,

klingt’s geliehen.

Drum leg ich immer

eine Schicht dazwischen.

Nenn es feige,

wenn du willst.

Mehr als diese drei Worte

ist dir das Weiß ähnlich,

das nach dem Löschen bleibt.

Schreib ich „ich liebe dich“

einfach so, frontal,

wirst am Ende du

zur billigen Metapher —

und ich schreibe wieder

kein Liebeslied.

Doch die Spur

der gelöschten Zeile

ist immer noch

ein bisschen warm.

In Wahrheit ist es nicht,

dass ich nicht schreiben kann.

Sobald ich es schreibe,

fühlt sich’s nach einem Ende an.

Mit ganz gewöhnlichen Worten

wollte ich gerettet werden,

und mit ganz gewöhnlichen Worten

wollte ich dich nicht einsperren.

Mehr als diese drei Worte

ist dir das Weiß ähnlich,

das nach dem Löschen bleibt.

Oben steht noch immer:

ohne Titel.

Nur der Cursor

atmet weiter.

Statt der einen Zeile,

die ich nie geschrieben hab,

scheint dieses Blinken

dich am ehesten zu erreichen.

Ich speicher nicht.

Ich schließ nicht.

Ich schick nicht ab.

Es leuchtet

einfach weiter.

Ich schreibe noch immer

kein Liebeslied —

und vielleicht ist es

gerade deshalb

das Liebeslied,

das ich dir nie gebe

und das dir

am nächsten kommt.

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