
Kein Liebeslied
intimate female vocals, whispery German vocal, spoken-word pop, emotional dream pop, fragile piano-led arrangement, soft ambient pads, minimal electronic texture, close-mic vocal, melancholic but restrained, bittersweet, solitary, late-night atmosphere, delicate piano motifs, subtle cinematic build, airy reverb, quiet tension, unresolved ending, headphone-optimized mix, recorded with Neumann U87 microphone, transparent de-essing

Kein Liebeslied
intimate female vocals, whispery German vocal, spoken-word pop, emotional dream pop, fragile piano-led arrangement, soft ambient pads, minimal electronic texture, close-mic vocal, melancholic but restrained, bittersweet, solitary, late-night atmosphere, delicate piano motifs, subtle cinematic build, airy reverb, quiet tension, unresolved ending, headphone-optimized mix, recorded with Neumann U87 microphone, transparent de-essing
Lyrics
Ich versuch ein ganz normales Liebeslied zu schreiben,
doch schon bei der ersten Zeile stockt meine Hand.
„Schön, dass es dich gibt“ —
es ist nicht gelogen
und sieht trotzdem aus wie eine Lüge.
Also lösch ich’s.
Delete.
Und der Bildschirm
wird wieder weiß.
Kein einziges Wort,
das man einfach
so vor sich hin summen könnte —
und kaum kommt mir eins,
will ich’s schon wieder
mit Fußnoten versehen.
Schlechte Angewohnheit.
Ich tippe die drei Worte,
streich mit dem Cursor drüber,
lösch sie gleich.
Nur drei kleine Worte —
und doch viel zu schwer
zum Abschicken.
Mehr als diese drei Worte
ist dir das Weiß ähnlich,
das nach dem Löschen bleibt.
All das Ungesagte
blinkt durch diese Nacht —
ich schreibe noch immer
kein Liebeslied.
Und doch:
genau dieses Weiß,
das leer geblieben ist,
kommt dir
am nächsten.
Ohne zu speichern
öffne ich den Entwurf aufs Neue.
Ich verwerf, was ich tippe,
Entwurf um Entwurf.
Süße Bilder
warten ewig auf Freigabe.
Dich führ ich noch immer
als Akte, als Vorgang.
Mit so einem Kopf
kommt nur die Nacht voran.
Das große Wort
steht in jedem Lied im Radio,
abgegriffen, lauwarm —
sag ich’s laut,
klingt’s geliehen.
Drum leg ich immer
eine Schicht dazwischen.
Nenn es feige,
wenn du willst.
Mehr als diese drei Worte
ist dir das Weiß ähnlich,
das nach dem Löschen bleibt.
Schreib ich „ich liebe dich“
einfach so, frontal,
wirst am Ende du
zur billigen Metapher —
und ich schreibe wieder
kein Liebeslied.
Doch die Spur
der gelöschten Zeile
ist immer noch
ein bisschen warm.
In Wahrheit ist es nicht,
dass ich nicht schreiben kann.
Sobald ich es schreibe,
fühlt sich’s nach einem Ende an.
Mit ganz gewöhnlichen Worten
wollte ich gerettet werden,
und mit ganz gewöhnlichen Worten
wollte ich dich nicht einsperren.
Mehr als diese drei Worte
ist dir das Weiß ähnlich,
das nach dem Löschen bleibt.
Oben steht noch immer:
ohne Titel.
Nur der Cursor
atmet weiter.
Statt der einen Zeile,
die ich nie geschrieben hab,
scheint dieses Blinken
dich am ehesten zu erreichen.
Ich speicher nicht.
Ich schließ nicht.
Ich schick nicht ab.
Es leuchtet
einfach weiter.
Ich schreibe noch immer
kein Liebeslied —
und vielleicht ist es
gerade deshalb
das Liebeslied,
das ich dir nie gebe
und das dir
am nächsten kommt.
