
Rauschen & Rechnungen
modern Japanese pop ballad, ambient electronic undertones, piano and synth blend, emotional storytelling, introspective female vocals, atmospheric production

Rauschen & Rechnungen
modern Japanese pop ballad, ambient electronic undertones, piano and synth blend, emotional storytelling, introspective female vocals, atmospheric production
Lyrics
3 Uhr nachts, der Kühlschrank summt ein schiefes Des, macht mich verrückt
Auf dem Tisch wird Cup-Noodle-Brühe zu Fett, das wie ’ne Landkarte wirkt
Ich scroll den Feed und seh, wer über Nacht berühmt geworden ist
’ne „Freundin“ aus der Schule kauft ein Haus – ich hab nicht mal das WLAN bezahlt
Ich dreh die Boxen auf, ertränke Eifersucht im Lärm
Ich tune meine Stimme, glätte jede Spur, doch ehrlich bin ich nirgends gern
Mein Avatar grinst makellos, neonhell und viel zu klar
doch hier in dieser Mietkiste verblass ich, werd unsichtbar
Ich bin nicht eingesperrt – ich hab die Tür selbst zugemacht
Ich stell Plastikpokale aufs staubige Regal, das längst aus allen Fugen kracht
Bau mir ein Königreich aus Samples und aus lauter kleinen Lügen
während die echte Version von mir hier langsam austrocknet, ganz allein, zwischen all den Lügen
Dreh mich im Kreis in einem Loop, ein Bug im großen Design
warte auf ’nen Retter, doch niemand kommt je online
Die Stadt liegt wie ein Schaltkreis da, kalt und abgekoppelt, stumm
Ich tret auf den Balkon und spür, wie ich hier einfach nicht dazugehöre
Vierzehnter Stock, der Wind riecht nach Abgas und nach gestern schwer
ein kleiner Schritt nach vorn – und alle offenen Rechnungen gäb’s nicht mehr
Schwerkraft flüstert leise, zieht verführerisch nach unten, Stück für Stück
doch dann knurrt mir bloß der Magen – Gott, das Leben ist so langweilig, kein Glück
Ich setz zum großen letzten Satz an, dramatisch in die Nacht hinein
doch ein Nachbar brüllt nur: „Halt die Klappe!“ – und selbst die Tragik geht dabei ein
Mit steifen Fingern such ich in der Jacke nach ’ner Zigarette
doch zieh nur einen zerknitterten Zettel raus, den ich gern vergessen hätte
Kein Trostspruch drauf, kein „Hey, es wird schon irgendwie geh’n“
nur: „Miete bis Dienstag zahlen, bitte nicht überseh’n“
Und drunter noch die Liste: „Milch, Eier, Brot – überleb’“
Der banale Druck der Schulden ist es, der mich am Leben hält, so schräg
Sind das Risse in der Wand? Nein, nur der Putz, der langsam fällt
Ich leg die Hand dagegen, spür nur Taubheit in der ganzen Welt
Weißt du was? Für den Ausstieg aus dem Spiel bin ich zu pleite, zu lahm
in vier Stunden klingelt der Wecker, und ich mach alles noch mal, genauso zahm
Wird sich was ändern? Kaum – doch Verpflichtungen halten mich im Takt
Ich jag kein Funkensprühen mehr, ich weich nur Komplikationen aus, ganz sacht
Ich wollte diesen Kinomoment, Tränen, einen großen letzten Akt
doch die Realität folgt nur ’ner fiesen Ausnahme vom Skript, ganz exakt
Ich hör jetzt auf, für eine Rolle vorzusingen, die ich niemals krieg
schreib lieber einen Song über diese beschissene Kippe, die neben mir im Aschenbecher verglüht
Schmerz ist nichts Edles, er nervt bloß und brennt, wenn er sich fest in mir verfängt
aber er ist der einzige Treibstoff, der für diese kaputten Saiten noch reicht und sie bewegt
Ich klapp den alten Koffer auf, die Scharniere kreischen rostig laut
seh aufs Griffbrett, eine Staubschicht, die seit einem Jahr nur dicker wird, grau auf grau
Ich spiel kein Meisterwerk, nur eine leere E-Saite im Raum
sie schnarrt am Bund entlang – klingt genau wie ich, wie ein müder Traum
Ja, ich bin nicht „ready“ – doch die Miete zahlt sich nicht von selbst
ein leiser Schritt ins Nichts? Nein. Ich koch mir Kaffee. Und werd wieder wach in dieser Welt.
