
Digitale Akrasia ~AnotherVersion~
Italo House, Melodic Piano Lines, 4/4 Kick, Airy Pads & Disco Strings, 120 BPM, Epic Melodic Dubstep, Emotional, Cinematic, Atmospheric, J-Pop, Wide Strings & Pads, Classic House Bass, 118–124 BPM

Digitale Akrasia ~AnotherVersion~
Italo House, Melodic Piano Lines, 4/4 Kick, Airy Pads & Disco Strings, 120 BPM, Epic Melodic Dubstep, Emotional, Cinematic, Atmospheric, J-Pop, Wide Strings & Pads, Classic House Bass, 118–124 BPM
Lyrics
1 Uhr nachts, blaues Bildschirmlicht malt Schatten in mein Gesicht
In meiner Hand bewegt sich nur der Daumen übers Display hin und her
Meine Vernunft hat längst ausgeloggt, ist komplett offline
„Hochzeitspost“ – ihr neuer Beitrag, Glück in 4K, gestochen scharf
Ihr schlankes, strahlendes Lächeln brennt sich wie Feuer in meine Netzhaut
Im Spiegel seh ich nur mich im ausgeleierten, grauen Schlabberlook
„Wenn ich will, dann kann ich das auch“ –
dieses Allmachtsgefühl ist das stärkste Gift,
da würde selbst Aristoteles genervt den Kopf schütteln
Ich weiß das alles – und bleib doch unbewegt
Mein Suchverlauf voll „schnell abnehmen“, „Wunderdiät“
Ich tue nichts, ich lass mich nur im Ozean der Infos treiben
Der ferne Traum von der schlanken Version von mir
zählt weniger als der süße Bissen direkt vor mir
Werte kippen, ich rutsche diese steile hyperbolische Kurve hinab
Ein kleiner Teufel im Kopf flüstert leise:
„Die Belohnung heute ist doch fast schon notwendiger Aufwand, oder?“
Ah, ab morgen, ab morgen werd ich wirklich stark
heute hör ich nur, wie die Chips-Tüte knackt im Dunkel des Zimmers
Mein Wille zerbricht wie ein aufgeweichter Keks
„Ich will dünner sein“ und „ich will jetzt was essen“ beten gegeneinander
und verschwinden gemeinsam tief in meinem Bauch
Das ist die Tragödie unserer Zeit –
digitale Akrasia
„Ich bin so müde von der Arbeit“ –
ich bastle mir Sätze, die keiner wirklich angreifen kann
Spiel das hilflose Opfer in meinem eigenen kleinen Drama
Wie der Kellner bei Sartre spiel ich brav meine Rolle,
obwohl ich doch in jeder Sekunde wählen könnte
Aber mich schreckt diese Freiheit, also kleb ich
ein „Ich konnte nicht anders“ auf die Verpackung
und erklär das Fertig-Dessert zur Therapie
Das Gewicht meines Körpers ist das Gewicht meiner Leere
Ich stopfe das Loch in mir nur mit Zucker und Teig zu
Der Mittagsdämon Acedia
wohnt längst auch nachts in meinem Kühlschrank
Ah, ab morgen, ab morgen werd ich neu geboren
also verzeih mir heut noch dieses allerletzte Eis
Dopamin hackt sich durch meine Synapsen
und übermalt jede rote Warnlampe im Kopf
Die Schreie meines zukünftigen Ich
dringen nicht durch das Rauschen bis hierher
Nur das Jetzt, nur dieses [Pathos] der Lust
gibt sich als Wahrheit aus
Nicht zu stoppen, nicht zu halten –
meine törichten, eigensinnigen Finger
Der Reißverschluss am Kleid geht einfach nicht mehr zu –
das ist meine nackte [Facticity]
Um nicht hinzusehen, lass ich die Videos endlos weiterlaufen
Was esse ich hier eigentlich?
Es ist kein Hunger, den ich zerkaue,
ich beiße bloß Stücke aus meiner Einsamkeit heraus
Wie Ulysses bräucht ich jemanden, der mich festbindet,
damit ich von dieser süßen Sirenenstimme wegsegeln kann
Im Mülleimer liegen leere Tüten – Überreste meines schlechten Gewissens
„Nie wieder“, schreibe ich als fromme Lüge in mein Tagebuch
Dabei weiß ich jetzt schon, dass ich morgen Nacht
mit denselben Ausreden mich wieder selbst betrügen werde
Gute Nacht, mein morgiges Ich,
bitte krieg es diesmal irgendwie besser hin
