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Digitale Akrasia  ~AnotherVersion~

Italo House, Melodic Piano Lines, 4/4 Kick, Airy Pads & Disco Strings, 120 BPM, Epic Melodic Dubstep, Emotional, Cinematic, Atmospheric, J-Pop, Wide Strings & Pads, Classic House Bass, 118–124 BPM

imaesan K·5:23

Lyrics

1 Uhr nachts, blaues Bildschirmlicht malt Schatten in mein Gesicht

In meiner Hand bewegt sich nur der Daumen übers Display hin und her

Meine Vernunft hat längst ausgeloggt, ist komplett offline

„Hochzeitspost“ – ihr neuer Beitrag, Glück in 4K, gestochen scharf

Ihr schlankes, strahlendes Lächeln brennt sich wie Feuer in meine Netzhaut

Im Spiegel seh ich nur mich im ausgeleierten, grauen Schlabberlook

„Wenn ich will, dann kann ich das auch“ –

dieses Allmachtsgefühl ist das stärkste Gift,

da würde selbst Aristoteles genervt den Kopf schütteln

Ich weiß das alles – und bleib doch unbewegt

Mein Suchverlauf voll „schnell abnehmen“, „Wunderdiät“

Ich tue nichts, ich lass mich nur im Ozean der Infos treiben

Der ferne Traum von der schlanken Version von mir

zählt weniger als der süße Bissen direkt vor mir

Werte kippen, ich rutsche diese steile hyperbolische Kurve hinab

Ein kleiner Teufel im Kopf flüstert leise:

„Die Belohnung heute ist doch fast schon notwendiger Aufwand, oder?“

Ah, ab morgen, ab morgen werd ich wirklich stark

heute hör ich nur, wie die Chips-Tüte knackt im Dunkel des Zimmers

Mein Wille zerbricht wie ein aufgeweichter Keks

„Ich will dünner sein“ und „ich will jetzt was essen“ beten gegeneinander

und verschwinden gemeinsam tief in meinem Bauch

Das ist die Tragödie unserer Zeit –

digitale Akrasia

„Ich bin so müde von der Arbeit“ –

ich bastle mir Sätze, die keiner wirklich angreifen kann

Spiel das hilflose Opfer in meinem eigenen kleinen Drama

Wie der Kellner bei Sartre spiel ich brav meine Rolle,

obwohl ich doch in jeder Sekunde wählen könnte

Aber mich schreckt diese Freiheit, also kleb ich

ein „Ich konnte nicht anders“ auf die Verpackung

und erklär das Fertig-Dessert zur Therapie

Das Gewicht meines Körpers ist das Gewicht meiner Leere

Ich stopfe das Loch in mir nur mit Zucker und Teig zu

Der Mittagsdämon Acedia

wohnt längst auch nachts in meinem Kühlschrank

Ah, ab morgen, ab morgen werd ich neu geboren

also verzeih mir heut noch dieses allerletzte Eis

Dopamin hackt sich durch meine Synapsen

und übermalt jede rote Warnlampe im Kopf

Die Schreie meines zukünftigen Ich

dringen nicht durch das Rauschen bis hierher

Nur das Jetzt, nur dieses [Pathos] der Lust

gibt sich als Wahrheit aus

Nicht zu stoppen, nicht zu halten –

meine törichten, eigensinnigen Finger

Der Reißverschluss am Kleid geht einfach nicht mehr zu –

das ist meine nackte [Facticity]

Um nicht hinzusehen, lass ich die Videos endlos weiterlaufen

Was esse ich hier eigentlich?

Es ist kein Hunger, den ich zerkaue,

ich beiße bloß Stücke aus meiner Einsamkeit heraus

Wie Ulysses bräucht ich jemanden, der mich festbindet,

damit ich von dieser süßen Sirenenstimme wegsegeln kann

Im Mülleimer liegen leere Tüten – Überreste meines schlechten Gewissens

„Nie wieder“, schreibe ich als fromme Lüge in mein Tagebuch

Dabei weiß ich jetzt schon, dass ich morgen Nacht

mit denselben Ausreden mich wieder selbst betrügen werde

Gute Nacht, mein morgiges Ich,

bitte krieg es diesmal irgendwie besser hin

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