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Wiegenlied im Dispo

pop, uplifting, melancholy, j-pop, heartfelt, synth-driven, Waldorf Blofeld, Korg Minilogue XD

imaesan K·4:31

Lyrics

Zwei Uhr nachts – in der Küche summt das Neonlicht: sss…
Im Zimmer meiner Mutter brennt noch Licht.

Ich hab gelernt, den Kontostand nicht anzusehn – einfach weiterzugehn.
Ich kreise im Kalender Drogerie-Deals ein, Angebotstage klein.
Meine Urlaubstage gehen drauf für Arzttermine, Wartezimmer-Schiene.
„Und, wie war deine Reise?“ – ich lächle, weich aus, sag: „War schon…“ und verschwinde im Haus.
Sag bitte nicht „Du machst das gut“ – das klingt wie Trost und macht mich stumm.
Ich mach’s nicht, weil ich will. Ich mach’s, weil ich’s machen muss – Punkt, und aus.
Ich hab mir diesen Stuhl nicht ausgesucht, nicht bestellt, nicht geliebt.
Ich sitz drauf, weil sonst niemand hier sitzt – weil sonst alles kippt.

Auf meinem Handy blinkt: „Saldo zu niedrig“ – mitten in der Nacht.
Oder: „Zahlung abgelehnt“ – so simpel, so kalt, so knapp gemacht.
Keine Zeit zum Heulen, denn Heulen macht mich weich.
Und wenn ich stoppe, stürzt das Ganze ein – mein Alltag, mein Reich.
Also sing ich, bis die Stimme bricht, bis nichts mehr bleibt als Licht:
ein Schlaflied nur für mich, zum Runterkommen, zum Durchstehn.
Nicht heilig, nicht schön – nur eine Bitte, die mich hält:
billig vielleicht, doch echt. Mein „Ich schaff das“ – gegen die Welt.

Am schlimmsten ist: Sie merkt es. Sie sieht es mir an, zu genau.
„Kind, hast du heute überhaupt was gegessen?“ – ihre Frage ist rau.
Mit Augen, die nicht lügen, liest sie meine Haut.
Dabei ist sie doch die, die Pflege braucht – und trotzdem baut
sie mir ein Tor aus Rücksicht, sagt ganz leise, fast:
„Wenn du willst, schau dir mal ein Pflegeheim an… du darfst.“
Ihre Stimme zittert kurz, nur ein Millimeter.
Als würde sie sich lösen, mich entlasten – immer später.
Nachts: „Hab ich dich geweckt? Tut mir leid…“
Sag das nicht, Mama. Nicht dieses „tut mir leid“.
Jedes „Entschuldigung“ drückt mir die Brust zu, macht mich klein.
Die Frau, die früher Eisen war, sagt: „Ich will dir nicht zur Last sein.“

Ich wollte irgendwen beschuldigen, irgendwas hassen, irgendwohin.
Doch da ist kein Ziel für meine Wut – sie läuft ins Leere, ohne Sinn.
„Wenn ich’s nicht mach – wer macht es dann?“
Die Antwort bleibt dieselbe: niemand. Irgendwann.
„Es ist zu viel“ – das sag ich ihr nicht, nicht vor ihrem Blick.
Weil sie sonst sich selbst zerreißt, und ich nehm’s wieder zurück.
Wir schützen uns gegenseitig – und verlieren dabei Luft.
Zärtlichkeit wird schwer im Raum, wie dicker, warmer Duft.

…Der letzte Schluck aus der Dose – ein billiger Mix.
Lauwarm. Ein bisschen bitter. Mehr nicht. Nur ein Klick.

Eines Morgens lacht sie über eine Katze im TV – einfach so.
Ich lache mit. Zum ersten Mal seit Wochen. Irgendwo.
Dass da jemand ist, der mich noch schimpft: „Du siehst so blass aus, Kind.“
Früher hätt ich drüber gelacht – heute weiß ich, was das ist:
kleine Reste von Zuhause, kleine Splitter, die noch tragen.
Der Kontostand reicht nie. Und Zeit und Kraft erst recht an manchen Tagen.
Ein perfektes Leben hatte ich nie in der Hand, nie im Blick.
Ich renn mit Rissen weiter – das ist mein Takt, mein Trick.
Also sing ich bis zum Schluss, auch wenn’s schief ist, auch wenn’s weht:
mein unbeholfenes Wiegenlied – mein Versprechen, dass es weitergeht.

Im Zimmer meiner Mutter geht das Licht jetzt aus.
…Endlich schläfst du, Mama. Endlich ist’s still im Haus.
In der Küche summt das Neonlicht: sss…
Nur das –
und trotzdem reicht es mir:
Heute leb ich weiter.

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