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An die Gleichgeschalteten (Langfassung)

An die Gleichgeschalteten (Langfassung)

darkwave, ritual ambient, slow, droning, minimal, cold vocals, background chanting, dark ambient, spoken mantra, gothic atmosphere, low bpm, atmospheric, industrial ambience, ethereal pads, doom synth

"๖ۣۜṨhͥ𐍉kͣaͫᴳᵒᵈ༻⇜·9:50

Lyrics

intro — long dark drones, low bass pulses, distant metallic echoes, cold wind-like noise

verse — quiet, background monotone chanting voice; heavily reverbed; emotionless

Um sein Brot nicht zu verlieren

In den Zeiten zunehmender Unterdrückung

Beschließt mancher, die Wahrheit

Über die Verbrechen des Regimes bei der Aufrechterhaltung der

Ausbeutung

Nicht mehr zu sagen, aber

Auch die Lügen des Regimes nicht zu verbreiten, also

Zwar nichts zu enthüllen, aber

Auch nichts zu beschönigen. Der so Vorgehende

Scheint nur von neuem zu bekräftigen, daß er entschlossen ist

Auch in den Zeiten zunehmender Unterdrückung

Sein Gesicht nicht zu verlieren, aber in Wirklichkeit

Ist er doch entschlossen

Sein Brot nicht zu verlieren. Ja, dieser sein Entschluß

Keine Unwahrheit zu sagen, dient ihm dazu, von nun an

Die Wahrheit zu verschweigen. Das kann freilich

Nur eine kleine Zeit durchgeführt werden. Aber auch zu dieser Zeit

Während sie noch einhergehen in den Ämtern und Redaktionen

In den Laboratorien und auf den Fabrikhöfen als Leute

Aus deren Mund keine Unwahrheit kommt

Beginnt schon ihre Schädlichkeit. Wer mit keiner Wimper zuckt

Beim Anblick blutiger Verbrechen, verleiht ihnen nämlich

Den Anschein des Natürlichen. Er bezeichnet

Die furchtbare Untat als etwas so Unauffälliges wie Regen

Auch so unhinderbar wie Regen.

So unterstützt er schon durch sein Schweigen

Die Verbrecher, aber bald

Wird er bemerken, daß er, um sein Brot nicht zu verlieren

Nicht nur die Wahrheit verschweigen, sondern

Die Lüge sagen muß. Nicht ungnädig

Nehmen die Unterdrücker ihn auf, der da bereit ist

Sein Brot nicht zu verlieren.

instrumental interlude — deep drones, slow heartbeat-like pulse, crackling textures

Er geht nicht einher wie ein Bestochener

Da man ihm nichts gegeben, sondern

nur nichts genommen hat.

Wenn der Lobredner

Aufstehend vom Tisch der Machthaber sein Maul aufreißt

Und man zwischen seinen Zähnen

Die Reste der Mahlzeit sieht, hört man

Seine Lobrede mit Zweifel an.

Aber die Lobrede dessen

Der gestern noch geschmäht hat und zum Siegesmahl nicht geladen war

Ist mehr wert. Er

Ist doch der Freund der Unterdrückten. Sie kennen ihn.

Was er sagt, das ist

Und was er nicht sagt, ist nicht.

Und nun sagt er, es ist

Keine Unterdrückung.

instrumental — darker, deeper, more oppressive; low strings rising subtly

Am besten schickt der Mörder

Den Bruder des Ermordeten

Den er gekauft hat, zu bestätigen

Daß ihm den Bruder

Ein Dachziegel erschlagen hat.

verse — voice even quieter, almost swallowed by ambience

Die einfache Lüge freilich

Hilft ihm, der sein Brot nicht verlieren will

Auch nicht lange weiter. Da gibt es zu viele

Seine Art. Schnell

Gerät er in den unerbittlichen Wettkampf aller derer

Die ihr Brot nicht verlieren wollen : es genügt nicht mehr der Wille

zu lügen.

Das Können ist nötig und die Leidenschaft wird verlangt.

Der Wunsch, das Brot nicht zu verlieren, mischt sich

Mit dem Wunsch, durch besondere Kunst dem ungereimtesten Gewäsch

Einen Sinn zu verleihen, das Unsagbare

Dennoch zu sagen.

Dazu kommt, daß er den Unterdrückern

Mehr Lob herbeischleppen muß als jede andere, denn er

Steht unter dem Verdacht, früher einmal

Die Unterdrückung beleidigt zu haben. So

Werden die Kenner der Wahrheit die wildesten Lügner.

Und das alles geht nur

Bis einer daherkommt

Früherer Ehrlichkeit, einstigen Anstands, und dann

Verlieren sie ihr Brot.

instrumental

outro — long descending drones, fading pulse, breath-like noise, dissolving into silence

end

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